Es begann ganz anders. Ursprünglich wollten wir mit einer kleinen Gruppe spirituellen Orten im Kohlenpott nachspüren.
Die Goldene Madonna in der Tiefgarage Was passiert, wenn man einen Raum mit etwas füllt, was nicht zur Funktion dieses Raums gehört? In einer Tiefgarage parken Autos; Spiritualität, Mystik, Religiosität, Andacht o. ä. erwartet man dort nicht. Eine Kopie der Goldenen Madonna aus dem Essener Dom stellten wir an verschiedene Stellen einer Tiefgarage. Unsere Erwartung war, dass eine solche Statue die Atmosphäre in diesem Raum verändern wird. Weil wir einen Effekt nicht feststellen konnten, überlegten wir weiter und kamen zu unserem nächsten Projekt.
Die Goldene Madonna an drei verschiedenen Orten (Geschäft, Kino, Burgplatz) Nachdem wir die Golderne Madonna in die Tiefgarage gebracht hatten und irgendwie unzufrieden waren, planten wir ein weiteres Projekt. Die Goldene Madonna an gegensätzlichen Orten zu erfahren, könnte uns neue Impulse und Anregungen geben. Also kamen uns ein Geschäft für Musikanlagen (Teufel), das Kino "Lichtburg" und der Burgplatz in den Sinn. Erfreulicherweise unterstützte uns hierbei Prof. Jürgen Hasse. Er gab uns wichtige Hinweise, worauf wir bei unseren Raumerfahrungen achten sollten. Auch für Prof. Hasse war dieses Experiment spannend und er hat die Ergebnisse in einem Artikel verarbeitet. Literatur:
Jürgen Hasse, in: Karsten Berr, Petra Lohmann (Hrsg.), Architektur - Lebenswelt - Landschaft. Springer.
Wer Interesse hat, mit uns zu überlegen, zu experimentieren und die Schule der Aufmerksamkeit weiterzuentwickeln, ist herzlich eingeladen. Wir treffen uns in Essen ganz real und virtuell, sodass die Möglichkeit der Teilnahme auch besteht, wenn jemand in Berlin oder sonstwo weilt. Das nächste Treffen findet statt am 11.02.2026 im Katholischen Stadthaus Essen, Bernestraße 5. Wer kommen mag, kann ohne Anmeldung teilnehmen. Wer virtuell dabei sein möchte, melde sich bitte vorher, damit wir einen Link verschicken können:holtbernd@t-online.de
r.
Unser neues Projekt bezieht die Geräusche, den Klang von Räumen mit ein. Wir wollen schauen, wie sich Musik und Geräusche auf einen Raum / eine Atmosphäre auswirken, was in einem Fastfood-Restaurant wirkt und wie es ist, wenn fast absolute Stille herrscht.
Lesenswertes: Jürgen Hasse, 2025. Dem Unaussprechlichen nachspüren. Über die Stille. Karl Alber. Jürgen Hasse, 2017. Die Aura des Einfachen. Mikrologien räumlichen Erlebens. Karl Alber. Jürgen Hasse, 2015. Was Räume mit uns machen - und wir mit ihnen. Kritische Phänomenologie des Raumes. Karl Alber. Hermann Schmitz, 2016. Atmosphären. Karl Alber. Bernhard Waldenfels, 2022. Phänomenologie der Aufmerksamkeit. Suhrkamp.
Speziell zum Hören: Christoph Türcke, 2025. Philosophie der Musik. C. H. Beck.
Architektur und Aufmerksamkeit: Pier Vittorio Aureli, 2025. Weniger ist genug. Architektur und Askese. Zürich: Diaphanes. Manchmal geht man in eine Buchhandlung, wird von einem Buch angezogen und denkt sich: "Das lese ich mal". Und dann packt einen das Buch. So ist es mir mit "Weniger ist genug" gegangen. Man hat es auch schnell gelesen, weil es nur 70 Seiten umfasst. Schnell merkt der LeserIn, dass es nicht um Minimalismus geht, sondern um das gute Leben, um Lebenskunst und wie Architektur darauf Bezug genommen hat und nimmt. Ausgehend von den frühen Klöstern der Kartäuser, über Le Corbusier, Mies van der Rohe, Steve Jobs, Walter Benjamin und natürlich Max Weber beginnt man zu verstehen, wie Räume nicht nur unser Wohlgefühl, sondern auch unsere Aufmerksamkeit für die Dinge wie auch für die Gestaltung unserer Persönlichkeit beeinflussen. Und mir wurde klar, wie sowohl Persönlichkeiten wie Steve Jobs als auch manche Architektur nur Einfachheit oder Askese vorspielen, uns in Wirklichkeit jedoch von uns selbst abbringen. Askese wird nicht zu einer Lebenshaltung, um zu sich selbst zu kommen, sondern zu einer Form der Schuldzuweisung, weil wir nicht genug arbeiten. Dies zeigt sich zum Beispiel auch bei Le Corbusier: "Trotz all ihrer guten Absichten offenbart eine solche Tendenz dennoch häufig die Problematik der Architektur als Instrument der Bevormundung."