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Café DenkMal Philosophisches Café am 02. Oktober 2026 
Thema: Gekränkte (kranke) Gesellschaft und der fehlende Sinn fürs Gemeinwohl   


Gemeinsinn: 1. Bei Aristoteles das Vermögen, mit dem Gegenstand zugleich die Wahrnehmung des Gegenstandes wahrzunehmen und die einzelnen Gegenstände der einzelnen äußeren Sinne zu unterscheiden und zu vergleichen, der innere Sinn, die erste höhere Seelenkraft. Diesen Sinn nannte man ursprünglich gemein. 2. Orientierung mehrerer Einzelner am Gemeinwohl. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe) 


Gemeinwohl: Gleichbedeutend mit dem gemeinen Besten oder Nutzen. J. J. Rousseau Wohlfahrt nicht nur aller Einzelner, sondern auch der Gemeinschaft als Ganzer. Im Utilitarismus wird das Gemeinwohl als Zielsetzung begriffen. Im Unterschied dazu kann das Gemeinwohl als Beurteilungskriterium für politische Entscheidungen verwendet werden in Abgrenzung zu Privatnutzen oder dem Nutzen einzelner Gruppen. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)   

Wo kein Gemeinsinn, da auch kein Gemeinwohl. (Raymond Walden) Es ist seltener der Fall, dass die Leidenschaften einzelner dem Gemeinwohl nicht schaden. (N. Machiavelli) 

Es ist eine meiner Überzeugungen, dass man für das Gemeinwohl arbeiten muss und dass man sich im selben Maße, indem man dazu beigetragen hat, glücklich fühlen wird. (G. W. Leibniz) 

Je kränker die Gesellschaft, umso größer ist die Anzahl von Institutionen zur Behandlung der Symptome, und umso weniger sorgt man sich um die Veränderung des Lebens insgesamt. (Leo Tolstoi) 


Jedweder Augenblick zeugt eine neue Kränkung. (William Shakespeare) 

Wenn man liebt, dann gedenkt man der Kränkung nicht lange. (F. M. Dostojewski)

Keiner kränkt den andern um der Kränkung willen, sondern um sich dadurch Vorteil oder Vergnügen oder Ruhm oder ähnliches zu verschaffen. (Francis Bacon) 

Tyrannei ist Kränkung meiner Selbständigkeit ohne und wider den gesellschaftlichen Zweck… Ihr Wesen ist… Gebrauch der Macht ohne Respekt für ihre Bestandteile und ohne Rücksicht auf ihren Zweck. (Johann Heinrich Pestalozzi) 

Jeder erträgt diejenigen Kränkungen am schwersten, die den Gegenstand seiner Hauptleidenschaft treffen: der Habsüchtige die, welche seinen Geldkasten angreifen; der Ehrgeizige die, welche ihm Unehre zuwege bringen. (Aristoteles) 

Gar nicht krank ist auch nicht gesund. (Karl Valentin) 

Ich bin nicht sehr krank, ich kann noch darüber reden. (William Shakespeare) 

Der Mensch ist krank, weil er nie zur Ruhe kommt. (Paracelsus) 

Wie krank ist ein Land, in dem die Rechtsanwälte mehr verdienen als die Ärzte?! (Klaus Klages)

Café DenkMal Philosophisches Café am 04. September 2026 


Thema: Kränkung und Trost, zwischen Resignation, Zuversicht und Trotzdem 
Resignation: der Verzicht, das Sichfügen in das Unabänderliche, die Entsagung: ein Schicksalsgefühl, in dem die Zukunft als hoffnungslos erlebt wird. (Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe)   

Im Unglück ist sogar das Leben eine Kränkung. (Publius Syrus) 

Es ist leichter, eine Kränkung zu rächen, als sie zu ertragen. (Leo Tolstoi) 

Nichts ist quälender als die Kränkung menschlicher Würde, nichts erniedrigender als die Knechtschaft. Die menschliche Würde und Freiheit sind uns natürlich. Also wahren wir sie, oder sterben mit Würde. (Cicero) 

Ein alberner Trost beleidigt. (Marie von Ebner-Eschenbach) 

Belehrung findet man öfter in der Welt als Trost. (Georg Christoph Lichtenberg) 

Man hat das Christentum viel zu sehr zu einem Trost umgearbeitet, vergessen, dass es eine Forderung ist. (Sören Kierkegaard) 

Wahre Demut beunruhigt, verwirrt und stört die Seele nicht, sondern bringt ihr Frieden, Trost und Ruhe. (Teresa von Avila) 

Es ist ein Charakteristikum des Menschen, Schmerz zu erfahren, zu fühlen und sich dennoch zu fangen und Trost zuzulassen, nicht jedoch, des Trostes nicht zu bedürfen. (Plinius der Jüngere)

Auch wenn es anders gekommen ist, so ist doch das Bewusstsein, etwas recht und wahrheitsgemäß gewollt zu haben, ein großer Trost. (Cicero) 

Zur Resignation gehört Stärke. (Goethe) 

Es gibt eine sinnvolle Geduld, die voreilige Enttäuschung und Resignation erspart. (Raymond Walden)  

In der Resignation liegt keine Kraft, vielleicht aber die Erkenntnis einer Neuorientierung. (Raymond Walden)

  „…dass alles Entscheidende „trotzdem“ entsteht…“ (Friedrich Nietzsche) 

Jede Situation ist ein Ruf, auf den wir zu horchen, dem wir zu gehorchen haben. (Viktor Frankl)

 Äußere Krisen bedeuten die große Chance, sich zu besinnen. (Viktor Frankl) 

Hinter jeder Verzweiflung steckt eine Vergötzung. (Viktor Frankl) 

Der Lauf der Dinge lehrt uns allenthalben Zuversicht. (Ralph Waldo Emerson)



Café DenkMal Philosophisches Café am 07. August  2026 Thema: Moral zwischen Singularisierung, Lifestyle und einer gelingenden Gesellschaft 

Wie das richtige Leben, das die Menschen auf Erden führen, auf jenes Leben, das wir im Himmel voll Seligkeit erhoffen, gleichsam als dem Endziel hingeordnet ist, so sind alle die Teilgüter, die von den Menschen besorgt werden, wie Reichtum, Gewinn, Gesundheit, Beredsamkeit oder Bildung, auf das allgemeine Wohl hingeordnet. (Thomas von Aquin) 

Auf sich allein gestellt, wäre kein Mensch imstande, das Leben so zu führen, dass er seinen Zweck erreicht. So ist es also der Natur entsprechend, mit vielen gesellig zu leben. (Thomas von Aquin) 

Es ereignet sich nämlich meistens, dass die Menschen, die unter der Herrschaft eines Königs leben, recht lässig auf das Gemeinwohl bedacht sind. Sie meinen, dass alles, was das Gemeinwohl anlangt, nicht ihre Sache sei, sondern die eines anderen, dessen Macht sie die gemeinsamen Güter überantwortet sehen. (Thomas von Aquin) 

Erst Manieren, dann Moral. (Oscar Wilde) 

Die Moral ist nichts als die Regulierung des Egoismus. (Jeremy Bentham)
 In der Politik gibt es keine Moral, nur Zweckmäßigkeit. (Wladimir Iljitsch Lenin) 
Wo Politik ist oder Ökonomie, da ist keine Moral. (Friedrich von Schlegel) 

Überall gibt es Harmonie, Geometrie, Metaphysik und sozusagen auch Moral. (Gottfried Wilhelm Leibniz) 

Man hat nur so viel Moral, als man Philosophie und Poesie hat. (Friedrich von Schlegel) 

Fortschritt in der Wissenschaft und Technik verbessern nicht die Moral der Menschen. (Jean-Jacques Rousseau) 

Zusammen mit der Moral eines Volkes geht auch sein Schaffensdrang verloren. (Thomas Jefferson) 

Lifestyle ist die teure Art, genauso auszusehen wie alle anderen. (Klaus Klages) 

Die Gesellschaft ist früher da als das Individuum. (Herbert Spencer) 

Gar keine Gesellschaft verdirbt auch die guten Sitten. (Friedrich Nietzsche) 

Die Großen verkaufen immer ihre Gesellschaft an die Eitelkeit der Kleinen. (Nicolas Chamfort) 

Deshalb kann man zwar eine niederträchtige Handlung dem einzelnen anlasten, aber nicht dem Genus Humanum. Ihm passt im Grunde kein soziales Kostüm, oder eben nur als Kostüm. Ohne Kostüm wäre der Mensch nur ein Mensch der Anlage nach, trotz aller sentimentalen Utopien von Natürlichkeit, Ursprünglichkeit und Ungebrochenheit. Der Homo Faber, der sich ein Stück Holz gefügig macht, um darauf Flöte zu spielen, wird auch aus Menschen Instrumente machen, wenn es ihm in den Kram passt. (Helmuth Plessner) 

Die außer Kraft setzende Gewalt der Ritterlichkeit gegen den Schwächeren, des Erbarmens mit der Ohnmacht, des entwaffnenden Vergebens, des Hörens auf den einzelnen bilden Formen der Versöhnung, die das (eine natürliche Mitte entbehrende) Lebewesen Mensch kraft seiner Fähigkeit, auch seine Zerrissenheit noch Herr zu werden, in seiner Macht hat, im Modus des Verzichts auf sie sich als menschlich zu erweisen. (Helmuth Plessner)  





Café DenkMal Philosophisches Café am 03. Juli 2026 
Thema: Vom Narren oder Störenfriede in den Religionen   
Wer dem Volke die Religion nehmen will, ist entweder ein Bösewicht oder ein Narr (George Washington) 

Jedes Volk ist auf seinen berühmten Spaßvogel stolz: die Flamen auf Till Eulenspiegel, die Italiener auf Pasquino, die Spanier auf Don Quichotte und seinen unzertrennlichen Gefährten, endlich die Deutschen auf ihren Baron von Münchhausen. Und die Türken, ebenso wie ihre Nachbarn im nahen und fernen Orient, lachen seit Jahrhunderten über die Streiche ihres Nasreddin Hodscha,…“ (Jean Paul Garnier) 

Im Blick auf seine gesellschaftliche Rolle ergibt sich ein Bild vom Clown, welches ihn nicht nur als Spaßmacher, Humorist oder Unterhalter erscheinen lässt. Seine soziale Funktion besteht – damals wie heute – wesentlich darin, soziale Normen zu durchbrechen, geltende Werte in Frage zu stellen und so den Horizont auf das ‚Andere‘, Nicht-Alltägliche, das Verborgene und Verbote auszuweiten. (Annette M. Fried, Joachim Ph. Keller) 

Das absolut Neue, das mit dem Christentum in die Welt gekommen ist, wird dem Menschen durch den Sturz des Ideals des Weisen eindringlich bewusst. Das Christentum steht im Widerspruch zu allen vorangegangenen Geschichtsepochen, was aus der prinzipiellen Umkehrung der antiken Auffassung von Weisheit und Torheit besonders deutlich hervorgeht. (Walter Nigg) 

Wir sind Narren um Christi Willen. (Paulus 1. Kor 4,10) 

Der christliche Narr mit seiner inneren Stimme ist der Übervernunft verpflichtet. Übervernunft ist nicht Unvernunft. (Walter Nigg) 

Der vom Geist der Narrheit erfüllte Christ empfindet die rationalistische Haltung auf religiösem Gebiet als eine unerträgliche Tyrannei, die er im Namen des Christentums in sich selbst niederringt. (Walter Nigg) 
Beispielhaft lässt sich an der Benediktregel zeigen, wie Regeln entstehen, wie sie wirken oder wirken sollen, wie ihre Einhaltung überwacht wird und welche Möglichkeiten sie aber auch für flexibles Handeln bieten. (Ingo Grabowsky) 
Der kritische Blick auf bestehende regelbasierte Ordnungen war auch ein zentraler Faktor für die Entstehung der Protestbewegungen, die die gesellschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten. In den Nachkriegsjahrzehnten durchliefen viele Gesellschaften einen beschleunigten kulturellen Wandel, aus dem ein deutlich liberalisiertes Wertesystem mit zunehmender Bedeutung postmaterialistischer Einstellungen resultierte. Dieser Transformationsprozess gab alternativen Lebensentwürfen Raum, die nach ihren eigenen Regeln funktionierten. (Andreas Joch, Sarah Schaumburg)
 Literatur zur Macht der Regeln: 
Die Macht der Regeln zwischen Freiheit und Kontrolle. Ausstellungskatalog Kloster Dalheim

Café DenkMal Philosophisches Café am 05. Juni  2026 Thema: Braucht die Gesellschaft Störenfriede und eine Form des konstruktiven Misstrauens? 

Agitatoren sind Störenfriede, die eine zufriedene Bevölkerung zur Unzufriedenheit aufstacheln. Deshalb sind Agitatoren notwendig. (Oscar Wilde) 

Die Demokratie ist eine Institution, die den Zweifel, das Misstrauen und die Kritik organisiert. Das macht sie eigentlich auch so erfolgreich. (Manfred Rommel) 

Die wichtigste Tugend des Bürgers ist das Misstrauen. (Maximilien Robespierre) 

Grundlage der freien Regierung ist das Misstrauen … Misstrauen lässt uns Sicherungsvorschriften in die Verfassung aufnehmen, die jene bindet, denen wir verpflichtet sind, Macht anzuvertrauen. (Thomas Jefferson) 

Kommunikation ist gewissermaßen das Management möglicher Nein-Stellungnahmen. (Armin Nassehi) 

Protest ist eine Reaktion auf die begrenzte Institutionalisierungsfähigkeiten von Konflikten. (Armin Nassehi) 

Die Teilhabe erlaubt es, Erfahrung nicht als Störung, sondern als Bereicherung zu denken. (Ralf Konersmann) 

Außenseiterschaft ist ein Phänomen, das sich aus dem europäischen Verständnis von Gesellschaft und den politischen Erwartungen ergeben hat, die seit dem Zeitalter der Revolution mit dem Konzept des Sozialen verbunden ist. (Ralf Konersmann) 

Der Außenseiter ist der Inbegriff der Risiken, denen die Einzelnen in der modernen, zur Selbstidealisierung neigenden Gesellschaft ausgesetzt sind. (Ralf Konersmann)

 Modern ist aber auch die Bereitschaft, ebendiese Normalität, um sie vor der Selbstgefälligkeit zu bewahren, durch die Abweichung, und das heißt: von außen in Frage zu stellen. ...Die Moderne braucht Leute, die bereit sind, abzuweichen und aus der Höhle des Jargons herauszutreten. (Ralf Konersmann) 

Zum Thema Ordnung gehört notwendigerweise das der Störung, also auch die Rolle von Außenseitern und Randfiguren, Querulanten und Quertreibern. (Dieter Thomä)

 Die politischen Aufbrüche und Umbrüche, so meine ich, stehen für Krisen, die nicht vom Zentrum der Macht, sondern vom Rand her zu verstehen sind. (Dieter Thomä) 

Der Störenfried ist ein Gelegenheitstäter. Er ist der occasion, dem kairos zugetan. (Dieter Thomä) 

Literatur: 
Aladin El-Mafaalani. Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungstheorien. 
Ralf Konersmann. Außenseiter. 
Armin Nassehi. das große nein. 
Dieter Thomä. Puer robustus. Eine Philosophie des Störenfrieds.




Café DenkMal Philosophisches Café am 01. Mai 2026 Thema: Sind die Konservativen oder Orthodoxen die wirklich Progressiven?   

Konservativ: traditionsverbunden, am Alten, Herkömmlichen festhaltend, dann besonders an überkommenen gesellschaftlichen Zuständen hängend, auch den Fortschritt hemmend. (s. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) 

Konservativismus: dem Traditionalismus verbundene politische Richtung, Festhalten am Althergebrachten. Auffassung, die auf die Bewahrung des geschichtlichen Zusammenhangs der historisch gewachsenen Lebensformen, der überlieferten Einrichtungen, der überlieferten Einrichtungen des nationalen Lebens, der Religion der Sitte und der Ordnungsprinzipienbedacht ist. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe) 

Orthodox: recht-, strenggläubig, der herkömmlichen Lehre folgend, übertragen starr, unnachgiebig. (s. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) 

Progressiv: sich allmählich steigernd, sich entwickelnd, fortschrittlich (politisch). (s. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen)


Kurz, Abweichungen von der Norm fallen nur normalen Leuten auf, Verrückten Menschen fällt Abnormes nicht auf. Deshalb führen normale Menschen ein viel aufregenderes Leben als die Verrückten, die ständig darüber klagen, wie öde das Leben ist. (Gilbert K. Chesterton) 

Glaubenslehren engen den Geist nicht mit solcher Entschiedenheit ein, wie das die materialistischen Verleugnungen tun. (Gilbert K. Chesterton) 

Katholische Lehre und Disziplin mögen Mauern sein; aber sie sind Mauern um einen Spielplatz. (Gilbert K. Chesterton) 

Einziges Ergebnis der Emanzipation ist, dass der Heilige und der Häretiker hinter ein und derselben Mauer des Schweigens verschwunden sind. (Gilbert K. Chesterton)

Wenn die Jugend eines Volkes konservativ ist, hat schon die Todesglocke geschlagen. (Leo Tolstoi) 

Die Menschen sind am konservativsten, wenn sie am wenigsten tatkräftig sind und am üppigsten. Nach dem Essen ist man konservativ. (Ralph Waldo Emerson) 

Ein konservativer Staatsmann ist einer, der in die bestehenden Mängel verliebt ist, während der Liberale sie durch neue Mängel ersetzen möchte. (Ambrose Gwinnett Bierce) 
Die Menschen aber vergeben lieber Pasquill (spöttischer Kommentar) als Satire, lieber Verleumdung als Ermahnung, lieber Spotten über Orthodoxe und Aristokraten als Vernünfteln darüber. (Jean Paul) 

Als konservativ wird eine Anlagestrategie an der Börse bezeichnet, die Kapitalerhalt vor Rendite und Stabilität vor Volatilität stellt… Konservativsein heißt für mich, die Gegenwart nicht für alternativlos zu halten. (Denis Scheck) 

Unter Konservativen findet man nicht wenige, die das Leben zu genießen vermögen. (Martin Mosebach) 

Der Konservatismus hat eine Botschaft, die nicht überholt ist. (Sahra Wagenknecht) 

Teil des konservativen Erfolgsgeheimnisses ist, sich an verändernde Bedingungen anzupassen. Dafür muss man stets neu definieren, was es zu verteidigen gilt. (Thomas Biebricher)


Café DenkMal Philosophisches Café am 03. April  2026 
Thema: Hans im Pech: Opfer / Schuldiger oder die glückliche Schuld 

Pech: zähklebriger Rückstand bei der Destillation von Stein-, Braun- und Holzkohlenteer, übertragen (18. Jh.) Unglück. Mittelhochdeutsch pech/bech: durch Einkochen gewonnener Holzteer, übertragen Höllenfeuer. (nach Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) 
Theodizee: aus griechisch theos und dike, französisch theodicée, die Rechtfertigung Gottes gegen den Vorwurf, dass er für das Übel und das Böse in der Welt verantwortlich sei, da es in seiner Allmacht gestanden haben müsste, es nicht zuzulassen. (nach Wörterbuch der philosophischen Begriffe) 
Opfer: jemand, der durch jemanden oder etwas getötet oder dem großer Schaden zugefügt wurde. (nach Wörterbuch der deutschen Sprache) 
Schuldiger: althochdeutsch sculda, seiner Herkunft nach etwas, was man soll, eine Verpflichtung, Schuldigsein. Schuld haben heißt im ursprüngliche Sinne: Urheber von unerwünschten Folgen sein. Im juristischen Verständnis wird das innere Verhalten mitbedacht. Schuldig ist demnach, wer fahrlässig oder mit Vorsatz eine Tat begeht. (nach Wörterbuch der philosophischen Begriffe)   

Wer das Glück suchen muss, hat Pech. (Karl Heinz Karius) 

Mensch, mein Urteil will nicht frech sein, und ich übe gern Geduld; neunmal Pech mag neunmal Pech sein – aber zehnmal Pech ist: Schuld. (Alfred Kerr) 

Wer Pech knetet, klebt seine eigenen Hände zusammen. (Johann Wolfgang von Goethe) 

Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech. (Charles-Maurice de Talleyrand) 

Es gibt zwei Arten von Missgeschick: das eigene Pech und das Glück der anderen. (Ambrose Gwinnett Bierce) 

Unglück, also Pech zu haben, ist ärgerlich, doch Glück, also Dusel zu haben, ist irgendwie beschämend. (Jules Renard) 

Gott hätte keine Welt geschaffen, wenn sie nicht unter allen möglichen die beste wäre. (Gottfried Wilhelm Leibniz) 

Der Mensch ist entweder Opfer seines Schicksals oder Meister seiner Bestimmung. (Herbert Spencer) 

Die Menschen fürchten Ungerechtigkeit, weil sie Angst haben, ihr zum Opfer zu fallen, nicht weil sie es verabscheuen, sie zu begehen. (Platon) 

Es ist meine Schuld, meine ganz persönliche Schuld, dass die Welt elend ist. (Fjodor Michailowitsch Dostojewski) 

Das strengste Gericht ist das eigene Gewissen. Hier wird kein Schuldiger freigesprochen. (Juvenal)

 Es gibt Schuldlos-Schuldige und Schuldig-Schuldlose. (Nicolai Wassiljewitsch Gogol) 

Der Fatalist macht sich dadurch schuldig, dass er sich an nicht schuldig fühlt. (Elisabeth Lukas) 

Wie kann denn überhaupt jemand schuldig sein? Wir sind Gottes Geschöpfe. Wenn wir schuldig sind, was ist er dann? (Franz Kafka)





Café DenkMal Philosophisches Café am 06. März 2026 
Thema: Ist Hans im Glück naiv oder fahrlässig?

Naivität: entlehnt aus dem französischen naif, dieses aus dem lateinischen nativus = natürlich, ursprünglich, unbefangen, arglos, treuherzig, auch tadelnd einfältig, angeboren (18. Jahrhundert). Bei Schiller im Gegensatz zu sentimentalisch bewusst reflektierend. (s. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) 

Fahrlässigkeit: aus mittelhochdeutsch varn lan, fahren lassen, vernachlässigen, als Ausdruck der Rechtssprache gebildet. (Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache) 

Hans im Glück: Hans aus dem biblischen Namen Johannes. Zunächst bezeugt in Urkunden des 13. Jahrhunderts. Als einer der beliebtesten Vornamen erlangt Hans den Charakter eines Appellativums (die großen Hansen für die einflussreichen Leute oder Basthans, Karsthans für Repräsentanten der Bauern). Oft treten wie Familiennamen charakterisierende Begriffe hinzu (Hans Unverstand, Hans Stotterer). Die negative Färbung des Namens zeigt sich dann in Zusammensetzungen wie Prahlhans, Schmalhans. In der Theatersprache finden sich Hanswurst und Hans Narr. Sebastian Brant (um 1500) benutzte Hans Mist als Bezeichnung des Narren. Der Hanswurst galt als dicker, grober und ungebildeter Spaßmacher oder Dummkopf. (s. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) 

Lieber Hans im Glück als Pech mit Marie. (Klaus Klages) 

Nicht im taumelnden Genießen, im Erinnern lebt das Glück. (Hans Hoffmann) 


Günter Buchholz: „Hans im Glück“ ist das Beispiel einer misslungenen Sozialisation. Vermutlich hat Hans fleißig und tüchtig ein spezielles Handwerk gelernt, aber die Gesetze des „Äquivalententauschs“, des bürgerlichen Handels, sind ihm verschlossen, ihr Geist ist ihm fremd geblieben.“ (Fetscher 1978, S. 41) Hans im Glück … kann… als Kritik an der subjektiven Wertlehre verstanden werden. Es geht um eine implizite Annahme und eine ebenso implizite Schlussfolgerung. Die allgemeine Methode ist hierbei die, einen bestimmten unterstellten Gedankengang konsequent soweit zu treiben, bis die Absurdität der Ergebnisse offenkundig wird, womit er dann widerlegt ist. Genau dies demonstriert m. E. das Märchen HANS IM GLÜCK im Hinblick auf die implizite Annahme, der Tausch als Prozess könne auf subjektiven Wertschätzungen beruhen und aus ihm erklärt werden. Er kann es, so das Resultat des Märchens, eben nicht, und daraus folgt implizit, dass nur die objektive Wertlehre den gesellschaftlichen Tauschprozess erklären kann. Jeder Tauschakt erscheint Hans, ganz im Sinne der subjektiven Auffassung vom Tausch, im Augenblick der Entscheidung als für ihn wünschenswert und vorteilhaft. Weder fragt er sich, weshalb in demselben Moment wohl dem jeweiligen Tauschpartner der Tausch ebenfalls als vorteilhaft erschien, noch kommt ihm die Frage nach einem möglichen objektiven Wert des Tauschgegenstandes und damit einer Vergleichbarkeit in den Sinn. Weil er sich gar keine Fragen stellt, beginnt er auch nicht zu denken. Alles Denken aber beginnt mit einer inneren Distanzierung von und einem Zweifel an dem, was hier und jetzt als selbstverständlich gegeben erscheint. Hans weiß nichts davon, dass jeder nachhaltige Tauschprozess seinem Prinzip nach ein Äquivalententausch sein muss. Ist er es nämlich nicht, dann geht die Geschichte aus wie in diesem Märchen, in dem eine Kette ungleicher Tauschakte für Hans mit einem Totalverlust endet.  …Gezeigt wird im Märchen, wie der Tausch zunehmend in bewusste Täuschung übergeht, und tatsächlich ist die Täuschung nach wie vor ein begleitendes Merkmal aller Tauschakte. Marketing, Werbung und Verkaufspsychologie schließen diese Komponente unvermeidlich in sich ein. Ein Bewusstsein hiervon zu entwickeln und zu verbreiten ist gleichbedeutend mit einer Aufklärung der Verbraucher. In der geschichtlichen Wirklichkeit hat es übrigens wirklich so etwas wie einen solchen Märchen Hans gegeben, nämlich in Gestalt jener außereuropäischen Völker, denen von den europäischen Kolonialisten für Glasperlen große Territorien und ganz Länder abgenommen wurden. 

Literatur: Viktor Zielen, 1987. Hans im Glück. Lebenslust statt Lebenslast. Zürich: Kreuz.

Café DenkMal Philosophisches Café am 06. Februar 2026 
Thema: Leichtes Glück und schwerer Ernst oder schweres Glück und leichter Ernst 

Glück: griechisch eudaimonia, lateinisch beatitudo, mittelhochdeutsch gelücke meint das Gefühl der Harmonie, der Zustand des inneren Einklangs von Wunsch und Befriedigung, der einzelne günstige Umstand, aber auch das günstige Zusammentreffen von inneren Tendenzen mit äußeren Umständen und die Freude über solche gute Fügung. Ein Glücksgefühl hat seine Ursachen weniger in Glücksgütern, vielmehr in der eigenen Glücksfähigkeit. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe) 

Ernst: aus westgermanisch ernusti Ernst, Festigkeit, Kampf. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache) 

Artes liberales: gemeint sind die freien Künste oder Wissenschaften. In der Spätantike wurden sie in das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) unterteilt. 

Trivial: aus dem Trivium wurde das Triviale abgeleitet, d. h. aus dem Elementaren ableitbar, später eher abwertend als selbstverständlich und abgedroschen verstanden. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe) 

Wer dem Glück nachjagt, muss leichtes Gepäck haben. (Honoré de Balzac) 

Das Glück ist kein leichtes Ding. Nur sehr schwer finden wir es in uns und anderswo gar nicht. (Nicolas Chamfort) 

Was hilft uns Glück, wenn’s niemand mit uns teilt? Ein einsam‘ Glück ist eine schwere Last. (Christian Dietrich Grabbe) 

Wie die Triebbefriedigung Glück ist, so wird es Ursache schweren Leidens, wenn die Außenwelt uns darben lässt, die Sättigung unserer Bedürfnisse verweigert. (Sigmund Freud) 

Nur wer das Leben ernst, bitter ernst nimmt, hat auch wirklich Humor. (Immanuel Kant) 

Ernst sei in den Spielen unserer Kinder, damit sie den Ernst froh und leicht wie in den Spielen üben. (Quintilian) 

Echtem Scherz liegt Ernst zum Grunde. (Novalis) 

Der Scherz ist unerschöpflich, nicht der Ernst. (Jean Paul) 

Fast alles Ernste ist schwer, und alles ist ernst. (Rainer Maria Rilke) 

Ich rede ernst, wenn ich das sage; aber es ist ein Jammer mit den Deutschen, dass sie, weil keinen Spaß auch keinen Ernst verstehen. (Ludwig Börne) 

Wer das Leben ernst nimmt, versteht auch sonst keinen Spaß. (Karl Heinz Karius) 

Um ernst zu sein, genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. (William Shakespeare) 

Und aller großer Ernst – ist er nicht selbst schon Krankheit? 
Und eine erste Verhässlichung? (Friedrich Nietzsche) 

Es ist nämlich eine triviale und nur zu häufig bestätigte Wahrheit, dass wir oft törichter sind, als wir glauben: hingegen ist, dass wir oft weiser sind, als wir selbst vermeinen, eine Entdeckung, welche nur die, so in dem Fall gewesen, und selbst dann erst spät machen. (Arthur Schopenhauer)

 Literatur: Holtbernd, T. (2010). Macht glauben glücklich? Würzburg: Echter.







Café DenkMal Philosophisches Café am 02. Januar 2026 
Thema: Funktion und Wirkung des Opfers 

Opfern: Das Wort stammt wohl vom Mittelhochdeutschen und könnte mit Almosen geben verbunden werden. Die Herkunft vom lateinischen offerre bedeutet darbringen. (s. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache) 

René Girard Die Entwicklung des religiösen Denkens in den früheren archaischen Gesellschaften unserer Vorfahren geht mit der Ausbildung von Normen einher, die das Ausbreiten der Gewalt innerhalb der Gruppe verhindern oder steuern. Für archaische Gesellschaften ist das Bewusstsein, dass Mimesis und Gewalt dasselbe Phänomen sind, von zentraler Bedeutung. Gewalt wird verhindert, indem man die mimetische Verdoppelung/Spiegelung zwischen Individuen derselben Gruppe verbietet. Girard postuliert die Existenz einer fundierenden Erfahrung, die ein für alle Mal gezeigt hat, dass die Gewaltspirale durch die Opferung eines Sündenbocks unterbrochen wird. Hat die mimetische Gewalt in einer Gruppe einen Punkt erreicht, in dem alle die Gewalt aller nachahmen und das Objekt, das die Rivalität ausgelöst hat, „vergessen“ ist, so stellt das Auftreten eines einmütig als schuldig empfundenen Individuums eine einheitsstiftende Polarisierung der Gewalt dar: Die Tötung oder Ausstoßung des „Schuldigen“ reinigt die Gruppe von der Gewaltseuche, weil diese letzte – gemeinsam vollbrachte – Gewaltanwendung keinen mimetischen Vorgang (Rache) mit sich bringt. Da auch das Objekt, das die Krise ausgelöst hat, vergessen ist, ist die Reinigung durch diese Opferung vollständig. (nach wikipedia)   

Marcel Mauss Im Mittelpunkt seiner Erforschung der Gabe steht die Frage, warum man Gaben erwidern muss. Die Antwort liegt darin begründet, dass sich in der Gabe Person und Sachen mischen, man beim Geben einen Teil von sich gibt und im Nehmen der Gabe insofern eine Fremderfahrung des Anderen macht. Mauss untersucht diese Vermischung von Person und Sache nicht nur in fremden Kulturen, sondern auch in unterschiedlichen europäischen Rechtssystemen (bei den Römern oder Germanen), um schließlich von den fremden und alten Kulturen auf die gegenwärtigen Gesellschaften überzuleiten und dort die moralischen Folgerungen aus den Praktiken der Gabe auszuloten. Der Essai sur le don war die erste grundlegende vergleichende ethnographische Arbeit über die Gabe. Als systematische und vergleichende Studie analysiert sie das System des Geschenkaustauschs und deutet seine Funktion im Bezugsrahmen der gesellschaftlichen Ordnung. Mauss stellt das moralische, psycho-ökonomische Prinzip der Gabe in seinem Zwangscharakter und seiner Schuldverursachung heraus und bringt die Gabe mit dem zweideutigen englischen gift zusammen. Damit kann er die Prinzipien von Arbeit, Dienstleistung, Sozialstaat und Wohlfahrt analysieren. Mauss prägte hierfür den Begriff der „Schenkökonomie“. (nach wikipedia)   

Wer sich selber hasst, den haben wir zu fürchten, denn wir werden die Opfer seines Grolls und seiner Rache sein. Sehen wir also zu, wie wir ihn zur Liebe zu sich selbst verführen! (Friedrich Nietzsche) 

Man ist Man seines Fachs um den Preis, auch das Opfer seines Fachs zu sein. (Friedrich Nietzsche) 

Der Staat zeigt sich nur selten dazu fähig, den Einzelnen für das Opfer zu entschädigen, das er von ihm gefordert hat. (Sigmund Freud) 

Die Demut ist der Altar, auf dem Gott will, dass man ihm Opfer bringe. (Francois de la Rochefoucauld) 

Viel Gutes kann der Mensch vollbringen, ohne sich ein Opfer zumuten zu müssen. (Albert Schweitzer) 

Große Opfer sind Kleinigkeiten, die kleinen sind es, die schwer sind. (Heinrich von Kleist) 

Vergiss nicht, dass es besser ist, Opfer zu sein als Henker. (Anton P. Tschechow) Das 

Opfer kostet jene nichts, die keine Leidenschaften kennen. (Romain Rolland) 

Durch das Opfer bestätigt die Revolution den Aberglauben. (Charles Baudelaire)