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Im Juli treffen wir uns am Burgplatz am Mezzo Mezzo
Café DenkMal Philosophisches Café am 05. Juli 2019

Thema: Warum noch in ein Konzert gehen?
Es war eine absolute Einheit zwischen den Instrumenten, mal waren es ruhigere, mal heftigere Phasen, alles entstand aus dem Hören und einer gegenwärtigen Inspiration. […] Während dies alles geschah, begann ich zu vergessen, dass uns Menschen zuhörten. Es war nicht länger wichtig, denn es war kein Vorspielen mehr, sondern ein lebendiges Geschehen, das vollkommen erfüllt war von dem gemeinsamen Klang. Absolute Gegenwart. (Martin Schleske)

Wie sich weiterhin zeigte, waren die Eltern der gut spielenden Kinder keineswegs Musiker, sondern eher Musikhörer. (Manfred Spitzer)

Von Caruso, dem berühmten Tenor, wird beispielsweise gesagt, er habe sein hohes C nur bei entsprechender Stimulation durch das Publikum wirklich überzeugende sind können. (Davidson bei Spitzer)

Mit der Trennung des Musikstücks von seiner Aufführung ergibt sich das Problem von deren Verhältnis zueinander, das oft als Frage der „richtigen“ Aufführung verstanden wird. (Manfred Spitzer)

Was mit Event-Kultur nur hilflos benannt, jedoch in seinen sozialhistorischen Dimensionen bislang unbegriffen geblieben ist, bezieht sich auf das Verblassen einer kundigen Genusskultur. An deren Stelle treten fluide Milieus ohne Vergemeinschaftungsinteresse, Flaneure statt Connaiseure. Deren Erwartungen an Kulturkonsum entspricht eine Form der Wahrnehmung, die an höfische Zeiten erinnert. Aristokratische Kulturbeflissenheit hatte sich auf das Dabeisein beschränkt, auf die Unterhaltung durch Artisten während der Konsumtion von Zeit jenseits der Wertschöpfung. Was manche als Abschied vom bürgerlichen Zeitalter bezeichnen, bedeutet somit nicht etwa das Ende aller Zeiten, sondern nicht mehr als den Übergang, ja vielleicht das Wiedereintreten in Formen anstrengungsloser, entsakralisierter ästhetischer Wahrnehmung. (Tilman Allert)

Wir werden uns daran gewöhnen, Bruckners Achte bei einem Stück Sacher-Torte zu hören zu bekommen, und uns nicht wundern, sollte Cecilia Bartoli eines Abends ihre virtuosen Gluckser mit dem Auftritt eines Jongleurs veranschaulichen, der Rückzug der klassischen Trägergruppen des Kulturgenusses ist unverkennbar. (Tilman Allert)

Die sogenannte Unterhaltungsmusik, die eigentlich Zerstreuungsmusik oder sedative Musik heißen müsste, kann eines Massenpublikums sicher sein, weil sei die Aufgabe wahrnimmt, die Hörer vor dem Risiko des Hörens von Neuem zu schützen. Wer Sedativmusik anstellt, tut dies eben, um sich in überraschungsfreie Tonwelten einzustimmen, gleich auf welchem Milieu. Durch ihr Erklingen und Wiedererklingen transportiert die unterhaltende Musik die frohe Botschaft, dass das Bekannte das Unbekannte eliminiert hat. In dieser Sicht gibt es zwischen dem Klassik-Konzertbetrieb und der U-Musik nur beunruhigend geringfügige Unterschiede. Beide inszenieren Musik als Medium des ältesten Konservatismus, der Harmonie und Wiederholung in immer vorhersagbaren Synthesen verspricht. (Peter Sloterdijk)  

Literatur:
Martin Schleske (2014). Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens. München: Goldmann.
Manfred Spitzer (2002). Musik im Kopf. Stuttgart: Schattauer.
Tilmann Allert (2017). Gruß aus der Küche. Soziologie der kleinen Dinge. Frankfurt am Main: S. Fischer. Tilmann Allert. (2017). Latte Macchiato. Soziologie der kleinen Dinge. Frankfurt am Main: Fischer.
Peter Sloterdijk (2007). Der ästhetische Imperativ. Schriften zur Kunst. Hamburg: EVA.


Café DenkMal Philosophisches Café am 07. Juni 2019
Thema: Musik als Sprache

Die Musik macht einen Bereich des Schweigens zugänglich; in ihr tritt die Seele sozusagen nackt hervor, ohne das sprachliche Gewand, `das sich in allen Dornen verfing´ (so Paul Claudel). (Josef Pieper)

Allgemein und zugleich populär redend kann man den Ausspruch wagen: Die Musik überhaupt ist die Melodie, zu der die Welt der Text ist. (Arthur Schopenhauer)

Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Welt. (Platon)

Es gibt aber nichts, worin Zorn und Sanftmut, worin Tapferkeit, Mäßigung und alle anderen moralischen Eigenschaften, nebst ihrem Entgegengesetzten sich so deutlich und ähnlich abbildeten, wenn man von der wirklichen Natur abgeht, als im Gesang und im Rhythmus. Die Erfahrung beweist es. Die ganze Stimmung des Gemüts ändert sich, wenn man verschiedene Arten der Musik hört. (Aristoteles)

Die Wahrheit jedoch ist, dass die übervolle Seele sich bisweilen in eine völlig leere Sprache ergießt, denn niemand von uns kann jemals das wirkliche Ausmaß seiner Wünsche, seiner Gedanken oder seiner Leiden ausdrücken; und die menschliche Sprache gleicht einem zersprungenen Kessel, auf den wir krude Rhythmen wie für Tanzbären trommeln, während wir uns danach sehnen, eine Musik zu machen, bei der die Sterne schmelzen. (Gustave Flaubert)

Musik redet die allgemeinste Sprache, durch welche die Seele frei, unbestimmt angeregt wird; aber sie fühlt sich in ihrer Heimat. (Robert Schumann)

Ohne die Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

Das musikalische Denken scheint in einzigartiger Weise die rationale mit der irrationalen Seite unseres Geistes zu verbinden. (Hans Zender)

Psychologische Experimente haben gezeigt, dass die Fahrer insbesondere bei anspruchsvollen Strecken und lauter Musik zu höheren Geschwindigkeiten und geringerer Aufmerksamkeit neigen. (Thomas Richter)

Wie keine zweite Kunst ist die Musik seit ihren menschheitsgeschichtlichen Anfängen etwas in der Gemeinschaft Praktiziertes und Genossenes. (Thomas Richter)

Ein faszinierender Klang kommt immer aus der Mehrdeutigkeit. (Martin Schleske)

Auch wenn wir Musik hören, sind wir affektiv betroffen. Aber wer empfindet hier was? Empfinden wir uns, unser Dasein, oder die bewußte Empfindung eines Subjekts, oder handelt es sich um eine innere Bewegung der vor- oder unbewußten Schichten, des Körpers, der Natur in uns? (Hans Zender)
Die Musik bewegt sich im buchstäblichen Sinne nur, wenn die Schallquelle ihren Platz wechselt. Alle anderen Bewegungen der Musik sind Bewegungssuggestionen, Klanggebärden des Aufstrahlens und Versinkens, des Vorwärtsdrängens, der Drehung, des Ausweichens, der Entfaltung und Zusammenziehung usw. Sie fahren den tanzenden und marschierenden Menschen in die Glieder, z. B. die weichen auslandenden Kurven mit seitlichem Schwung beim Walzer, die vom Schall zwar deutlich vorgezeichnet, aber nur vom tanzenden Körper ausgeführt werden können. Der Beladenheit mit Bewegungssuggestionen verdanke der Schall seine Zeitverbundenheit oder Geschichtlichkeit, d. h. seine Fähigkeit, sich mit zeitlicher Dauer vollzusaugen und dadurch zu verstärken. (Hermann Schmitz)

Literatur: Joachim-Ernst Berendt (1985). Nada Brahma. Die Welt ist Klang. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Josef Pieper (1951). Über die Musik. Ansprache während eines Bach-Konzerts. In: Josef Pieper(1954). Weistum-Dichtung-Sakrament. München: Kösel.

Thomas Richter (2012). Warum man im Auto nicht Wagner hören sollte. Musik und Gehirn. Stuttgart: Philipp Reclam.

Hans Zender (2016). Denken hören – Hören denken. Musik als eine Grunderfahrung des Lebens. Freiburg München: Karl Alber.


Philosophisches Café am 03.05.2019
Thema: Die Wirkung der Wörter, soziolinguistische Überlegungen

Linguistic turn: Als „sprachbezogene Wende“ bezeichnet man in der Philosophie eine Entwicklung hauptsächlich des 20. Jahrhunderts, die mit einer verstärkten Hinwendung zur Sprache, d. h. der Verwendung und Bedeutung sprachlicher Äußerungen, einhergeht. Viele Vertreter des linguistic turn hatten das Forschungsprogramm, nicht mehr „Dinge an sich“ zu untersuchen, sondern die sprachlichen Bedingungen zu analysieren, wie von Dingen gesprochen wird. Man kann für diese Wende eine Parallele zu derjenigen Kants behaupten: Kants „Kopernikanische Wende“ ging damit einher, nicht mehr Dinge an sich selbst zu beschreiben, sondern Bedingungen, sie zu erkennen, die in der Struktur der Vernunft liegen. An die Stelle der Metaphysik als erster Philosophie treten Strukturen des Geistes (lat. mens), weshalb einige Autoren von einem „mentalistischen Paradigma“ sprechen, bei Vertretern des linguistic turn von einem „linguistischen Paradigma“: Erfahrung ist zunächst immer sprachlich vermittelt. Ein anschauliches Beispiel für die Hinwendung zur Sprache bietet die Aussageweisen bei der Diskussion ethischer Fragen analysierende Metaethik von George Edward Moore. Dabei wird nicht die Natur des Guten diskutiert, sondern die des sprachlichen Ausdrucks „gut“: Zählt dieses Wort zu den Worten, welche Handlungen empfehlen oder vorschreiben (sog. präskriptive Ausdrücke)? Oder ist es beschreibend („deskriptiv“)? Drückt „Menschen in Notlagen zu helfen, ist gut“ eine Pflicht oder eine Handlungsbewertung aus? Oder etwa eine Beschreibung: Nothilfe hat nützliche Effekte? Moore unterscheidet beide Redeweisen derart, dass von beschreibenden Aussagen nie ein Schluss auf vorschreibende Aussagen erlaubt sei („naturalistischer Fehlschluss“). Gelegentlich setzt man das u. a. von Moore verfolgte Forschungsprogramm als „begriffsanalytisch“ von zwei weiteren ab, welche ebenfalls methodisch die Sprache ins Zentrum stellen: dem „sprachanalytischen“ oder normalsprachlichen, wie es Ryle oder Austin verfolgen, und dem „formalistischen“, welches Frege, Russell und der frühe Wittgenstein verfolgten. Alle drei Forschungsprogramme werden üblicherweise als phasenweise wichtige Teilströmungen der sog. Analytischen Philosophie beschrieben. Bergmann selbst hatte seine Rede von einem linguistic turn v. a. auf Moore und Wittgenstein bezogen und in diesem Sinn war linguistic turn auch immer ein Term der analytischen Philosophie. Philosophiegeschichtliche Darstellungen fanden diese Ideenwelt dann aber auch rückblickend in ganz anderen Kontexten. Im Bereich französischer Philosophie konnte man zum Beispiel über Roland Barthes oder Paul Ricœur auf die Idee eines semiotic turn gebracht werden, und in der deutschen Geistesgeschichte auf die große sprachphilosophische Tradition von Johann Georg Hamann, Wilhelm von Humboldt, Johann Gottfried Herder, Wilhelm Dilthey, die als „Hermeneutik“ von Gadamer verwaltet wurde.  

Die Soziolinguistik ist eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft. Sie steht in enger Beziehung zur Angewandten Linguistik und zur Allgemeinen Linguistik und wird je nach Definition von „angewandt“ entweder zur einen oder zur anderen dieser beiden sprachwissenschaftlichen Hauptdisziplinen gerechnet. Werden sprachliche Phänomene aus diachroner Sicht untersucht, besteht auch ein Bezug zur Historischen Linguistik. Die Soziolinguistik weist darüber hinaus fachliche Überschneidungen mit der Soziologie, der Anthropologie, der Sozialpsychologie und der Erziehungswissenschaftauf. Gegenstand der soziolinguistischen Untersuchungen ist einerseits die soziale, politische und kulturelle Bedeutung sprachlicher Systeme und der Variationen des Sprachgebrauchs sowie andererseits die kulturell und gesellschaftlich bedingten Einflüsse auf die Sprache. (wikipedia, abgerufen 29.04.2019, 14:40 Uhr)

Große Macht übt das richtige Wort aus. Immer, wenn wir auf eines dieser eindringlichen, treffenden Worte stoßen, ist die Wirkung physisch und geistig – und blitzartig spontan. (Mark Twain)

Die Menschen sind rar geworden, die an einem Wort erforschen, wieviel Wahrheit in ihm ist. Die Meisten Menschen interessiert nur, wieviel Wirkung in ihm ist. (Theodor Haecker)

Es ist leicht, von Güte zu reden. Aber Worte allein haben keine Wirkung. (Dalai Lama)
Jedes Wort hat fließende Grenzen. Diese Tatsache zu ästhetischer Wirkung auszunützen ist das Geheimnis des Stils. (Arthur Schnitzler)

Treffende Bemerkungen mögen ihre Wirkung haben, doch ist noch kein Wort je so wirkungsvoll gewesen wie eine Kunstpause zur rechten Zeit. (Mark Twain)



Café DenkMal Philosophisches Café am 05. April 2019 Thema: Freude an der Sprache und bedrohte Wörter

Nehmt eure Sprache ernst! (Friedrich Nietzsche)

Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen. (Jean Paul)

Wie seine Sprache, so der Mensch. (Hans Gross)

Die Sprache ist der Leib des Denkens. (Georg W. F. Hegel)

Unsere Sprache ist auch unsere Geschichte. (Jacob Grimm)

Wie ist jede – aber auch jede – Sprache schön, wenn in ihr nicht nur geschwätzt, sondern gesagt wird. (Christian Morgenstern)

Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd. (Karl V.)

Es ist keineswegs gleichgültig, wie man die Sachen nennt… Der Name schon bringt eine Auffassungstendenz mit sich, kann glücklich treffen oder in die Irre führen. Er legt sich wie Schleier oder Fessel um die Dinge. (Karl Jaspers)

Die Menschen glauben, dass ihr Geist dem Worte gebiete; aber oft kehren die Worte ihre Kraft gegen den Geist um. (Francis Bacon)

Unsere meisten Ausdrücke sind metaphorisch: Es steckt in denselben die Philosophie unser Vorfahren. (Georg Lichtenberg)

Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen. (J. W. Goethe, Faust)

Alle Schulmeister lehren, dass nicht der Sinn den Worten, sondern die Worte dem Sinn dienen und folgen sollen. (Martin Luther)

Wörter sind eingesalzene Heringe, konservierte alte Ware. (Fritz Mauthner)

Vom Aussterben bedroht: Amtsschimmel, Bandsalat, Fuchtel, Haderlump, honett, kommod, piesacken, Quacksalber, quacken, Zeche prellen, pardauz, Tausendsassa, Schlawiner, Schwerenöter, Springinsfeld, Dreikäsehoch, Hupfdohlen, Mauerblümchen, Vettel, Wuchtbrumme, Klimbim, blümerant, Firlefanz, Mumpitz, Kokolores, Sperenzchen, Backfisch, Naseweis…

Sprachphilosophie: Es ist eine philosophische Disziplin, die das Phänomen der Sprache in seinen vielfältigen Bezügen zu Kultur, Gesellschaft, Denken und Handeln zum Gegenstand hat. Leitfragen sind zum Beispiel: Wie kommen sprachliche Zeichen wie Wörter und Sätze zu ihren Bedeutungen? Was genau ist Bedeutung? Welche Funktionen hat Sprache, und welchen Einfluss hat sie auf das Denken? Wie ist Sprache ursprünglich entstanden? (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Sprechakttheorie: Sie betrachtet Sprache als eine besondere Form sozialen Handelns und analysiert sie aus dieser Perspektive. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Soziolinguistik: Sie sucht nach Beziehungen zwischen der sozialen Zugehörigkeit von Sprechern und ihrer Sprachverwendung. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)


Café DenkMal Philosophisches Café am 01. März 2019
Thema: Konversation, Smalltalk

Geschwätz, leeres Gerede

Klatsch, Reden über die persönlichen Angelegenheiten anderer

Plaudern, sich zwanglos unterhalten, etwas erzählen was geheim bleiben sollte

Plauschen, Abwandlung von plaudern, sich gemütlich unterhalten

Smalltalk, belangloses Gespräch

Konversation, gewandte, gepflegte, etwas förmliche Unterhaltung, geselliges Gespräch (dazu siehe in Wörterbuch der deutschen Sprache, Wissen Media Verlag)

Smalltalk ist die Kunst, an Wichtigeres zu denken, während man weniger Wichtiges sagt. (David Lettermann)

Die Menschen, die man nur zur Hälfte kennt, man kennt sie nicht; die Sachen, über die man nur zu drei Vierteln Bescheid weiß, man weiß von ihnen überhaupt nichts. Diese zwei Überlegungen reichen hin, um fast alle Gespräche zu würdigen, die in der Welt geführt werden. (Nicolas Chamfort)

Genau betrachtet ist alles Gespräch nur Selbstgespräch. (Christian Morgenstern)

Smalltalk ist die Kunst zu reden, ohne zu denken. (Andreas Tenzer)

Viele Menschen tun sich beim small-talk so schwer, weil sie wissen, dass er leicht fallen soll. (Johann Peter Hebel)

Unwürdig des Gläubigen ist jedes leere Geschwätz. (Mohammed)

Small Talk ist Geschwätz von Leuten, die nichts zu sagen haben. (Klaus Klages)

Die Welt besteht aus lauter Geschwätz, jeder Mensch redet eher zu viel als zu wenig. (Michel de Montaigne)

Auch das kürzeste Wort bleibt am Ende nur Geschwätz, wenn es nicht auf irgendwelchem Wege zu Taten führt. (Arthur Schnitzler)

Ein Schwätzchen ist ein Federballspiel zwischen harmlosen Freundlichkeiten. Geschwätz vergiftet. (Peter Horton)

Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf; und nur von dem reden, was man überwunden hat, - alles andere ist Geschwätz, „Literatur“, Mangel an Zucht. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Die Philosophie vermag im Letzten Sinne nichts auszusprechen als Tautologien; geht sie darüber hinaus, so fängt im günstigen Fall die Dichtung, im gleichgültigen das Geschwätz, im schlimmen die Dogmatik an. (Arthur Schnitzler)

Konversation machen: Zwei oder mehrere Leute tun so, als hörten sie einander zu. (Georg Christoph Lichtenberg)

Die deutsche Sprache an sich ist reich, aber in der deutschen Konversation gebrauchen wir nur ein zehntel Teil dieses Reichtums – faktisch sind wir also spracharm -. (Heinrich Heine)

Der Krieg schafft schon Gefährten, Schrecken erregt nur das alltägliche Gerede. (Francesco Petraca)

Mit Redereien allein kann man kein Schiff bauen. (Gerd W. Heyse)



Café DenkMal Philosophisches Café am 01. Februar 2019 Thema: Lüge Wahrheit Bullshit

Unsere Natur ist notorisch instabiler und weniger eingewurzelt als die Natur anderer Dinge. Und angesichts dieser Tatsache ist Aufrichtigkeit selbst Bullshit. (Harry G. Frankfurt)

So sorgfältig und gewissenhaft der Bullshitter auch vorgehen mag, es ändert doch nichts daran, daß er etwas verbergen möchte. (Harry G. Frankfurt)

Humbug: insbesondere durch hochtrabendes Gehabe in Wort und Tat irreführende und verfälschende, an Lüge grenzende Darstellung eigener Gedanken, Gefühle oder Einstellungen. (Harry G. Frankfurt)

Gerade in dieser fehlenden Verbindung zur Wahrheit – in dieser Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, wie die Dinge wirklich sind – liegt meines Erachtens das Wesen des Bullshits. (Harry G. Frankfurt)

Denn das Wesen des Bullshits liegt nicht darin, daß er falsch ist, sondern daß er gefälscht ist. (Harry G. Frankfurt)

Das einzige unverzichtbare und unverwechselbare Merkmal des Bullshitters ist, daß er in einer bestimmten Weise falsch darstellt, worauf er aus ist. (Harry G. Frankfurt)

Da Bullshit nicht notwendig wahrheitswidrig sein muß, unterscheidet er sich von der Lüge durch die gefälschte Absicht. (Harry G. Frankfurt)

Tatsächlich neigen die Menschen gegenüber dem Bullshit zu größerer Toleranz als gegenüber der Lüge, vielleicht weil wir Bullshit nicht so stark als persönlichen Affront erleben. (Harry G. Frankfurt)

Lüge: die bewusst unwahre, eine Täuschung beabsichtigende Aussage, im weiteren Sinn die absichtliche Entstellung der Wahrheit, die Verdrehung der Tatsachen, die gewollte Zweideutigkeit und Unbestimmtheit, die Verstellung und Heuchelei. Nach Augustinus ist jede Lüge eine Sünde. Thomas von Aquin hat diese Definition entschärft, indem er zwar die Absicht, Falsches zu sagen, nicht aber die Täuschungsabsicht zu ihrem Wesen erklärt. (nach Regenbogen, Meyer. Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Wahrheit: In der Philosophie versteht man unter Wahrheit im engeren Sinne eine Eigenschaft, die, je nach theoretischem Hintergrund, einer Vorstellung, einem Urteil oder einer Aussage bzw. einem Aussagesatz zukommen kann.

Wenn du lügen musst, dann lüge. (Herodot)

Die Lüge ist immer ein Selbstmord des Geistes. (Johann Gottlieb Fichte) Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat. (Voltaire)

Die Wahrheit errötet nicht. (Tertullian)

Gerechtigkeit ist Wahrheit in Aktion. (Joseph Joubert)

Die Sprache der Wahrheit ist einfach. (Euripides)  

Literatur: Harry G. Frankfurt, 2006. Bullshit. Frankfurt am Main: Suhrkamp.


Café DenkMal Philosophisches Café am 4. Januar 2019
Thema: Zwischen Sorglosigkeit und Freiheit

Sorge (lat. cura), ängstliche Bemühung, hingebender Einsatz, gehört in psychologischer Hinsicht zu den gerichteten Gefühlen; ein von Martin Heidegger (Sein und Zeit, § 39 ff.) in die Philosophie eingeführter Ausdruck zur Bezeichnung des Seins des Daseins. (Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)

Freiheit, (griech. eleutheria, lat. libertas), in den germanischen Sprachen hat fri mit seinem Auftreten schon die heutige Bedeutung des Unabhängigseins, der Abwesenheit eines Zwanges; ursprünglich aber liegt ein positiv ausgesprochener Inhalt zugrunde: fri geht von einer indogermanischen Wurzel aus, die auch lieben, hegen, schonen bedeuten kann. […] Die Frage, ob der menschliche Wille sich selbst bestimmen könne, also autonom sei, oder ob er von fremden Mächten bestimmt werde, also unfrei, heteronom sei, hat die Philosophie zu allen Zeiten beschäftigt und hat im allgemeinen drei verschiedene Antworten hervorgerufen: 1. Der Wille ist autonom und diese Autonomie steht in Gegensatz zur Ursächlichkeit. 2. Der Wille ist heteronom und alles Handeln ist lediglich verursacht. 3. Die Selbstbestimmung des Willens wird nicht geleugnet, aber die Freiheit des Willens wird nicht als Gegensatz zur Ursächlichkeit genommen, sondern für eine bestimmte Form der Verursachung. (nach Regenbogen, Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe)  
Vertrauen ist die Mutter der Sorglosigkeit. (Baltasar Gracián y Morales)

Die Sorglosigkeit ist eine nährende Tugend. (Johann Wolfgang von Goethe)

Mit der Furcht fängt die Sklaverei an, aber auch mit Zutrauen und Sorglosigkeit. (Johann Gottfried Seume)

Wir fühlen den Schmerz, aber nicht die Schmerzlosigkeit; wir fühlen die Sorge, aber nicht die Sorglosigkeit; die Furcht, aber nicht die Sicherheit. (Arthur Schopenhauer)
Freiheit ist Mitverantwortung. (Richard Freiherr von Weizsäcker)

Freiheit gibt Witz und Witz gibt Freiheit. (Jean Paul)

Erziehung ist Erziehung zur Freiheit. (Ludwig Börne) Zivilisation ist Zwang, Kultur: Freiheit. (Gerhart Hauptmann)

Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. (Perikles)

Angst ist der Schwindel der Freiheit. (Sören Kierkegaard)

Viele Gewohnheiten, weniger Freiheit. (Immanuel Kant)

Frieden ist ungestörte Freiheit. (Marcus Tullius Cicero)

Freiheit ist der Zwang sich zu entscheiden. (Baltasar Gracián y Morales)

Wille ist Wollen und Freiheit ist Können. (Voltaire)

Die Freiheit beginnt mit der Ironie. (Victor Hugo)

Mit Lob bringt man die Freiheit um. (Sigmund Freud)



 
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